phoca_km_txt.jpg

Öffnungszeiten

April - Oktober
Kaffeemühle, Rungehaus
Mo geschlossen
Di - Fr 11.00 - 18.00 Uhr
Sa u. So 11.00 - 16.00 Uhr
Fähre:  Juni, Juli, August wie Museum
Kapelle St. Gertrud auf Nachfrage
Führungen nach Vereinbarung
Telefon: 0 38 36/20 30 41

QR-Code der Seite

QR-Code dieser Seite
Start Einrichtungen Rungehaus
Rungehaus - Geburtshaus Ph. O. Runges - Seite 3 Drucken
Beitragsseiten
Rungehaus - Geburtshaus Ph. O. Runges
S.2 POR - Leben und Nachwirkungen
S.3 PORs kunstgeschichtliche Bedeutung
Alle Seiten

Philipp Otto Runges kunstgeschichtliche Bedeutung

Schon im 19. Jahrhundert lassen sich verschiedene Spuren bei europäischen Künstlern verfolgen, die vor allem die Rezeption Runges in der Buchkunst und im Kunstgewerbe betreffen.

Pauline im weißen KleidErst um die Jahrhundertwende gelangte Philipp Otto Runge stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Wiederentdeckung des Künstlers durch den Gründer der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, und die Jahrhundertausstellung von 1906, die die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen auf die romantische Kunst lenkten, gaben entscheidenden Anstoß für eine bis heute andauernde, vielschichtige Runge-Rezeption. In der Kunst des Jugendstils fanden nicht nur die florale Ornamentik Rungescher Werke sondern auch die Farbenlehre, die Rahmungsprinzipien und das Naturmythos seiner „Zeiten“ ihren Niederschlag. Erstmals wurden der Persönlichkeit und den wissenschaftlichen Forschungen Runges ausführliche literarische Beiträge gewidmet. Innerhalb eines Jahres, 1909, erschienen die Publikationen von Aubert, Krebs und Roch. Wenige Jahre später setzte auch die Rezeption Rungescher Kunsttheorie innerhalb der Künstlergruppe Blauer Reiter ein. In dem Ideengut des Frühromantikers fanden viele Bauhauskünstler eigene Positionen bestätigt: der Konsens betraf vor allem Teile der Farbenlehre (Paul Klee, Johannes Itten), die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer engen Verbindung theoretischer und praktischer kunstwissenschaftlicher Erkenntnisse in den Wissenschaften sowie die Forderung nach einer Vereinigung von Architektur, Bildhauerei und Malerei als Gesamtkunstwerk.
Seit den 20er Jahren knüpfte die Neue Sachlichkeit (Otto Dix, Georg Schrimpf) in ihrer Stilistik und romantisierenden Tendenz an Runges Malerei an. Unter den Surrealisten suchte vor allem Max Ernst Vorbilder bei Runge. Victor Vasarely, einen der Pioniere der Optical Art, faszinieren die Wahrnehmungsphänomene und das Schaffen realer oder doppeldeutiger Bilder aus einfachen oder geometrischen Formen. Paul Klee führt mit „Senecio“ ein Symbol der wechselnden Beziehungen zwischen Kunst, Illusion und Theaterwelt vor. Das grafische Element der Linie, die Farbflächen und der Raum werden durch die Gedanken des Künstlers bewegt.

Runges Vielseitigkeit in Kreativität und theoretischen Überlegungen wiesen oftmals über den Rahmen der bildenden Kunst hinaus. Er führte neue Bildthemen ein (bürgerliches Monumentalbild, Landschaftsbild, Kinderporträt), entwickelte kunsttheoretische Programme (Farbenlehre) und war wegweisend in seinen praxisnahen Schöpfungen (Zimmerverzierungen, Spielkarten). Seine Vielseitigkeit berührte Gebiete der Literatur (Märchen, Gedichte), Naturwissenschaft (Pflanzenstudien), Linguistik (Pflege der plattdeutschen Sprache) und wirkte hinaus bis auf im Alltag gebräuchliche Gegenstände (Stickereivorlagen, Tapetenborten, Buchumschläge, Galionsbilder und Segeltuch für Schiffe, Sofabekrönung, Theatervorhänge, Konstruktionszeichnungen.

Philipp Otto Runge wird heute ganz allgemein als vielseitigster Künstler des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Er ist mit seinem Grafikzyklus der „Zeiten“ der Begründer der romantischen Kunst in Deutschland.

 



 

Termine