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Öffnungszeiten

April - Oktober
Kaffeemühle, Rungehaus
Mo geschlossen
Di - Fr 11.00 - 18.00 Uhr
Sa u. So 11.00 - 16.00 Uhr
Fähre:  Juni, Juli, August wie Museum; sonst nach Absprache
Kapelle St. Gertrud auf Nachfrage
Führungen nach Vereinbarung
Telefon: 0 38 36/20 30 41

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Rungehaus - Geburtshaus Ph. O. Runges
S.2 POR - Leben und Nachwirkungen
S.3 PORs kunstgeschichtliche Bedeutung
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Rungehaus LogoEs gibt heute weder originale Ölbilder aus dem Nachlass, noch Mobiliar der Familie des Künstlers in seiner Geburtsstadt. Einzig das in vielen Details ursprünglich erhaltene Geburtshaus Philipp Otto Runges (POR) ist vorhanden. Hier sind noch die barocken Türen, der Treppenaufgang, die Öllandplatten in der Diele, z.T. auch die Scheuerleisten, ein Wandregal u.a. erhalten.

RungehausWie die Familie 1777 das Haus nutzte, welches die Schlafräume der 11 Kinder, das Wohn- und Esszimmer, welches das väterliche Kontor oder die Küche waren, konnte durch akribische Untersuchung erforscht werden. Die ursprünglichen Farben der Wände und Türen wurden freigelegt und rekonstruiert.

Seit 1997 ist dieses Gebäude ein Museum, als moderne Begegnungsstätte zu besichtigen.

Bilder Philipp Otto Runges sind zu sehen, jedoch nicht im Rahmen, denn die meisten Originale befinden sich heute in der Hamburger Kunsthalle, die auch die Kopien für das Rungehaus zur Verfügung stellte. Es sind Fotokopien in Originalgröße, hinter Glasstählen, die 10cm von den Wänden des eigentlichen Museum, dem Geburtshaus, entfernt angebracht wurden, daneben stehen zahlreiche Zitate vom Maler selbst zu seinem Leben, seiner Kunstauffassung.

Philipp Otto RungeRunge, der auch als vielseitigster Künstler des 19. Jh. gilt, der Jugendstil und Bauhauskunst ideell vorbereitete, die ersten spiegelverkehrten Kartenbilder auf dem Französischen Blatt entwarf, die ersten Märchen - z.B. Fischer un sien Fru aufschrieb und an die Brüder Grimm mit der Bitte um das Sammeln von Märchen sandte, schuf auch die erste dreidimensionale Farbenlehre in der Deutschen Kunstgeschichte.

Im Museum kann man heute mittels 3 Computern virtuell durch die Farbenkugel surfen und das Spektrum der durch die 3 Grundfarben - Rot, Blau, Gelb - entstandenen Farbvariationen entdecken.

Seit Kurzem sind bei Google unter der URL die „Briefe und Schriften von Runge“ zu finden.

Gern begrüßen wir Sie in diesem Haus und berichten Ihnen mehr von dem hochinteressanten Künstler, der leider nur 33 Jahre alt wurde.

 


Philipp Otto Runge mit Künstlerkappe

 

 

 

 

 

 

Philipp Otto Runge

Leben und Nachwirkungen

Philipp Otto Runge kam am 23.07.1777 als neuntes von elf Kindern der Eheleute Daniel Nikolaus Runge (1737-1825) und Magdalena Dorothea (1737-1818) zur Welt. Sein Großvater väterlicherseits, Nicolaus Runge (1700-1766), entstammte einer Rügener Bauernfamilie. Nicolaus Runge ließ sich nach 1720 in Wolgast nieder und erwarb 1729 das Bürgerrecht. Er arbeitete als Stadtzimmermeister in Wolgast. Der Ehe entsprangen zwei (jung verstorbene) Töchter und ein Sohn, Daniel Nikolaus, der Vater des Künstlers. Es ist anzunehmen, dass Runges Vater das Schiffszimmerhandwerk erlernte. Er war zunächst als königlich schwedischer Schiffsvisitierer tätig. 1762 heiratete er Magdalena Dorothea Müller, die Tochter des Hufschmieds Daniel Christian Müller. Sie lebten zunächst vor den Toren der Stadt, auf der Kronwiek. Als Beamter der schwedischen Krone hatte er die ein- und auslaufenden Schiffe zu „besuchen“, um die Zahlung und Lizenzen zu überwachen. Offenbar blieb ihm bei dieser Tätigkeit Zeit für einen Nebenerwerb: Runge handelte mit Holz und anderen Produkten, betrieb einen Kommissionshandel und den Bau von Schiffen. Um 1780 hatte sich Vater Runge als Kaufmann selbständig gemacht, damit wurde er Bürger des ersten Standes und musste in die Stadt Wolgast ziehen. Er kaufte das noch nicht wieder bebaute Grundstück Burgstrasse 7 und das daneben gelegene Wohnhaus Nr. 8, in welches er 1787 mit seiner Familie einzog.

Philipp Otto stand durch seine häufigen Krankheiten in besonders inniger Verbindung zu seiner Mutter, die ihn u.a. im Papierausschneiden unterrichtete. Als Lehrer, Freund und erster Förderer Runges gilt Gotthard Ludwig Kosegarten, der seit 1785 als Rektor an der Wolgaster Stadtschule wirkende Theologe und Dichter. 1795 nahm Philipp Otto bei dem ältesten Bruder Daniel in Hamburg eine Kaufmannslehre auf. Daniel unterstützte die künstlerischen Ambitionen seines Bruders und sorgte neben dem Vater für dessen Lebensunterhalt und später auch für die Familie des Künstlers über Philipp Ottos Tod hinaus. Seit dem Sommer 1797 ließ Daniel dem Bruder täglich eine Stunde Zeichenunterricht erteilen. Nachdem Daniel die Zustimmung vom Vater erhalten hatte, dass der Bruder ein Kunststudium beginnen könnte, reiste Philipp Otto am 18.10.1799 nach Kopenhagen und studierte an der dortigen Akademie bis 1801. Danach setzte er seine Studien in Dresden fort. Kurz nach seiner Ankunft hatte Philipp Otto, wohl im Hause des Porträtmalers Anton Graff, die noch sehr junge Pauline Susanna Bassenge erstmalig getroffen. Sie entstammte einer Hugenottenfamilie, ihr Vater war Handschuhfabrikant in Dresden. Er hatte sich zunächst energisch gegen die Verbindung seiner 15jährigen Tochter mit dem 24jährigen gestellt. Am 3. April 1804 fand dann aber zwischen Philipp Otto und Pauline in Dresden die Hochzeit statt. Der Ehe entsprangen 4 Kinder: 1805 Otto Sigismund, ihm folgte 1807 Maria Dorothea, 1809 Gustav Ludwig Bernhard, sowie am Tag nach dem Tode des Künstlers, am 03.12.1810, Philipp Otto.

Mit Ausnahme des Wolgaster Jahres zwischen April 1806 und 1807, wohnte die Familie in Hamburg. Pauline Susanna Runge hat ihren Mann um 71 Jahre überlebt. Sie verstarb 1881 im Alter von 95 Jahren.


Philipp Otto Runges kunstgeschichtliche Bedeutung

Schon im 19. Jahrhundert lassen sich verschiedene Spuren bei europäischen Künstlern verfolgen, die vor allem die Rezeption Runges in der Buchkunst und im Kunstgewerbe betreffen.

Pauline im weißen KleidErst um die Jahrhundertwende gelangte Philipp Otto Runge stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Wiederentdeckung des Künstlers durch den Gründer der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, und die Jahrhundertausstellung von 1906, die die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen auf die romantische Kunst lenkten, gaben entscheidenden Anstoß für eine bis heute andauernde, vielschichtige Runge-Rezeption. In der Kunst des Jugendstils fanden nicht nur die florale Ornamentik Rungescher Werke sondern auch die Farbenlehre, die Rahmungsprinzipien und das Naturmythos seiner „Zeiten“ ihren Niederschlag. Erstmals wurden der Persönlichkeit und den wissenschaftlichen Forschungen Runges ausführliche literarische Beiträge gewidmet. Innerhalb eines Jahres, 1909, erschienen die Publikationen von Aubert, Krebs und Roch. Wenige Jahre später setzte auch die Rezeption Rungescher Kunsttheorie innerhalb der Künstlergruppe Blauer Reiter ein. In dem Ideengut des Frühromantikers fanden viele Bauhauskünstler eigene Positionen bestätigt: der Konsens betraf vor allem Teile der Farbenlehre (Paul Klee, Johannes Itten), die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer engen Verbindung theoretischer und praktischer kunstwissenschaftlicher Erkenntnisse in den Wissenschaften sowie die Forderung nach einer Vereinigung von Architektur, Bildhauerei und Malerei als Gesamtkunstwerk.
Seit den 20er Jahren knüpfte die Neue Sachlichkeit (Otto Dix, Georg Schrimpf) in ihrer Stilistik und romantisierenden Tendenz an Runges Malerei an. Unter den Surrealisten suchte vor allem Max Ernst Vorbilder bei Runge. Victor Vasarely, einen der Pioniere der Optical Art, faszinieren die Wahrnehmungsphänomene und das Schaffen realer oder doppeldeutiger Bilder aus einfachen oder geometrischen Formen. Paul Klee führt mit „Senecio“ ein Symbol der wechselnden Beziehungen zwischen Kunst, Illusion und Theaterwelt vor. Das grafische Element der Linie, die Farbflächen und der Raum werden durch die Gedanken des Künstlers bewegt.

Runges Vielseitigkeit in Kreativität und theoretischen Überlegungen wiesen oftmals über den Rahmen der bildenden Kunst hinaus. Er führte neue Bildthemen ein (bürgerliches Monumentalbild, Landschaftsbild, Kinderporträt), entwickelte kunsttheoretische Programme (Farbenlehre) und war wegweisend in seinen praxisnahen Schöpfungen (Zimmerverzierungen, Spielkarten). Seine Vielseitigkeit berührte Gebiete der Literatur (Märchen, Gedichte), Naturwissenschaft (Pflanzenstudien), Linguistik (Pflege der plattdeutschen Sprache) und wirkte hinaus bis auf im Alltag gebräuchliche Gegenstände (Stickereivorlagen, Tapetenborten, Buchumschläge, Galionsbilder und Segeltuch für Schiffe, Sofabekrönung, Theatervorhänge, Konstruktionszeichnungen.

Philipp Otto Runge wird heute ganz allgemein als vielseitigster Künstler des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Er ist mit seinem Grafikzyklus der „Zeiten“ der Begründer der romantischen Kunst in Deutschland.

 

Termine

Jubiläum Philipp Otto Runge

Philipp Otto Runge, bedeutendster Sohn Wolgasts 240. Geburtstag -
1777 - 2017