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Öffnungszeiten

April - Oktober
Kaffeemühle, Rungehaus
Mo geschlossen
Di - Fr 11.00 - 18.00 Uhr
Sa u. So 11.00 - 16.00 Uhr
Fähre:  Juni, Juli, August wie Museum; sonst nach Absprache
Kapelle St. Gertrud auf Nachfrage
Führungen nach Vereinbarung
Telefon: 0 38 36/20 30 41
Start Einrichtungen Kaffeemühle Geschichten aus der „Kaffeemühle“ Geschichten aus der „Kaffeemühle“ (V)
Geschichten aus der „Kaffeemühle“ (V)

Diesmal geht es um eine recht aktuelle private Schenkung.

Barbara und Felix Martin mit dem Fischerteppich, den sie dem Wolgaster Museum übergaben. Foto: Bre.Im August bekam die „Kaffeemühle“ überraschend Besuch von einer älteren Dame und ihrem Enkel. Barbara und Felix Martin wollten sich nicht nur in der „Kaffeemühle“ umsehen, sondern die gebürtige Lassanerin hatte auch ein Geschenk für das Wolgaster Museum im Gepäck: einen originalen Freester Fischerteppich. „Meine Mutter Wally Bruhn aus Lassan hat in Heimarbeit Teppiche geküpft“, erzählt Barbara Martin, die mit 16 nach der Schule die vorpommersche Gegend verlassen hat. Als Kind half sie ihrer Mutter, die auf der Peene-Werft arbeitete, beim Knüpfen am Webstuhl. Hergestellt wurden die für die Region typischen Teppiche nach den Vorlagen von Rudolf Stundl.
Vor neun Jahren starb Wally Bruhn und hinterließ ihren beiden Kindern jeweils einen selbstgewebten Teppich. Tochter Barbara entschied für sich nach reiflicher Überlegung, das zeitgeschichtlich wertvolle Stück Interessierten zugänglich zu machen und schenkte es während ihres Usedom-Urlaubs dem Wolgaster Museum. Hier befindet der Teppich sich übrigens auch in guter Gesellschaft: auch der Webstuhl der Familie Bruhn gehört zum Inventar der „Kaffeemühle“. Museumsleiterin Dr. Barbara Roggow freute sich über das neue Ausstellungsstück. „Dieses Muster, ein Vierfisch mit Anker, fehlt uns noch in unserer Sammlung und ist eine Bereicherung“, bedankte sie sich bei der Spenderin.
Dem traditionsreichen Handwerk des Teppich-Knüpfens in der Region Freest-Wolgast widmet sich das Museum mit einigen originalen Fischerteppichen. In den 30er Jahren wurde für die einheimischen Fischer eine alternative Erwerbsmöglichkeit gesucht. Dabei nutzte man ihre Fingerfertigkeit, die sie sich beim Netzeknüpfen erworben hatten – und leitete sie an, in ihren Hütten an Webstühlen Teppiche zu knüpfen. Der Österreicher Rudolf Stundl kam auf eine Stellenanzeige hin 1928 als Anleiter nach Greifswald. Als künstlerisch-technischer Leiter der Pommerschen Fischer-Teppich-Heimknüpferei ermunterte Stundl die Freester Fischer, sich bei der Motivwahl von der heimischen Landschaft, von Meer und Wald, inspirieren zu lassen. Wellen, Anker, Möwen, der Greif – diese typischen Motive finden sich auf den qualitativ hochwertigen Unikaten. Die ganze Fischer-Familie wurde eingebunden in den neuen Broterwerb – Entwürfe der Kinder wurden oft zu neuen Motiven. Bre.

Ostsee-Anzeiger, 19.09.2012

 

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