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Öffnungszeiten

April - Oktober
Kaffeemühle, Rungehaus
Mo geschlossen
Di - Fr 11.00 - 18.00 Uhr
Sa u. So 11.00 - 16.00 Uhr
Fähre:  Juni, Juli, August wie Museum; sonst nach Absprache
Kapelle St. Gertrud auf Nachfrage
Führungen nach Vereinbarung
Telefon: 0 38 36/20 30 41
Start Einrichtungen Kaffeemühle Geschichten aus der „Kaffeemühle“ Geschichten aus der „Kaffeemühle“ (IV)
Geschichten aus der „Kaffeemühle“ (IV)

Diesmal geht es um den berühmten Sohn der Stadt, den Maler der Roman­tik Philipp Otto Runge und sei­ne Spuren in der „Kaffeemüh­le“.

Der Zeiten-Zyklus von Runge: Morgen und Tag (oben), Abend und Nacht. Quelle: BetthausenPhilipp Otto Runge ist ja seit 1997 in Wolgast ein ganzes Haus gewidmet, nämlich sein Geburtshaus in der Kronwiekstraße. Aber naturlich wird er auch im städtischen Museum nicht ausgeblendet. Im Gegen­teil, der Besucher stößt gleich in der Diele auf den Künstler. Drei Originale des berühmten vierteiligen Zeiten-Zyklus von Philipp Otto Runge (1777 bis 1810) sind hier ausgestellt: „Der Tag“, „Der Abend“ und „Die Nacht“.
Museumsleiterin Dr. Barba­ra Roggow erinnert sich gern daran, wie das Museum zu die­sen Bildern kam „Ende der 90er Jahre klopfte es an der Museumtür, wir hatten eigentlich geschlossen, es war ein Mon­tag. Vor der Tür stand ein älte­res Ehepaar, so um die 60.“ Bar­bara Roggow erfüllte den drin­genden Wunsch der Besucher, das Runge-Haus zu besichti­gen und lud sie spontan zu ei­ner Führung ein. Dort interes­sierten sich die beiden Gäste besonders für Runges Erläute­rungen zu seinem Zeiten-Zy­klus, die Besucher im Run­ge-Haus von einem Schauspie­ler auf Band gesprochen, hören können. „Drei Mal hat das Ehe­paar fasziniert dem Text gelauscht, dann ist der Mann aufgestanden und hat gesagt ‚Wir möchten Ihnen diese Bilder schenken‘“. Was im ersten Mo­ment so unglaublich klang, wurde wahr.
Die Eheleute mit Nachna­men Runge stellten sich als Nachfahren aus der Linie von Runge-Bruder Daniel heraus, die bei einer Auktion in Mün­chen in den 90er Jahren die drei Bilder Tag, Abend und Nacht von Philipp Otto Runge ersteigert hatten. Der erste Teil, „Der Morgen“, war und ist verschollen. Was wiederum einen für Wolgast glücklichen Aspekt in sich birgt: als kom­plettes Quartett wäre der Preis der Bilder um ein Vielfaches höher gewesen. Und ein weite­rer glücklicher Umstand: die Spender in spe fanden in den musealen Einrichtungen Wolgasts einen für die Bilder würdi­gen und passenden Ort.
So verfügt die „Kaffeemüh­le“' nun über drei wertvolle Zeichnungen aus der Feder des Malers, der als Begründer der Romantik angesehen wird. Am „Zeiten-Zyklus“ ist das Pro­gramm der Romantischen Kunst abzulesen. Im Vorder­grund steht der ewige Kreis­lauf der Natur - das Werden, Wachsen und Vergehen. Wie ein Tag lässt sich auch ein Men­schenleben in vier Abschnitte unterteilen: Geburt, Jugend, Erwachsensein und Tod. Durchzogen sind die filigranen Zeichnungen aus den Jahren 1803/04, die eigentlich auch noch farbig von Runge konzi­piert waren, von christlicher Symbolik.
Neben den drei Originalen und dem Elternbild trifft der Besucher auf eine weitere Spur von Philipp Otto Runge im Mu­seum - nämlich als Zeitzeuge der Franzosenzeit in Wolgast. Philipp Otto Runge schreibt an Daniel Runge, Hamburg, 01.11.1806 und dieser Auszug ist in der Ausstellung in Wol­gast zu finden:
„Liebster Daniel! Es geht hier unerhört zu und du wirst dir unseren Zustand sehr leicht deutlicher vorstellen können, wenn ich dir sage, daß die Bagage von der ganzen Preußischen Armee bey Auerstädt hier ist, zum Theil auch schon hinübergesetzt nach Usedom, wo sie nun, da die Fran­zosen durch Stettin vorgedrungen und bey Ueckermünde über die Oder gegangen sind, doch denselben in die Hände fallen wird. Hier ist fast kein Brod zu haben, die Pferde fressen den Dr.- von den Straßen, und das beste Reitpferd mit bestem Sattel und Zeug ist für ein paar Thaler zu kaufen, es sind über tausend Wagen und dreytausend Men­schen und doppelt soviel Pferde hier, das ganze Wolgaster Feld, die Stadt, Vorstadt und Schloß­platz, alles hält voll. Sie machen sich Feuer von den Wagen, und alles hat zum Fahren über die Peene dienen müssen, ich und Jacob haben den ganzen Tag auf Flössen und Stettiner Kähnen commandirt. ...“ Bre.

Ostsee-Anzeiger, 12.09.2012

 

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