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Öffnungszeiten

April - Oktober
Kaffeemühle, Rungehaus
Mo geschlossen
Di - Fr 11.00 - 18.00 Uhr
Sa u. So 11.00 - 16.00 Uhr
Fähre:  Juni, Juli, August wie Museum; sonst nach Absprache
Kapelle St. Gertrud auf Nachfrage
Führungen nach Vereinbarung
Telefon: 0 38 36/20 30 41
Start Einrichtungen Kaffeemühle Geschichten aus der „Kaffeemühle“ Geschichten aus der „Kaffeemühle“ (III)
Geschichten aus der „Kaffeemühle“ (III)

In diesem Teil geht es um eine Perlenstickerei, die um 1800 entstanden sein muss und die die Ruine des Wolgaster Schlosses zeigt.

Kunstvoll gearbeitet und eindrucksvolles Zeitzeugnis: eine alte Perlenstickerei. Foto: Bre.Das filigrane Kunstwerk entstammt privatem Besitz. Es ist 19 Zentimeter breit und 15 Zentimeter hoch und in einen Holzrahmen gefasst. Das zeigt, dass die Perlenstickerei als Wandschmuck gedacht war. Der Betrachter erkennt die Ruine und im Hintergrund die Hügel der Gustav-Adolf-Schlucht. Mit etwas Phantasie ist sogar Schutt im Schlossgraben rund um die Schlossruine auszumachen. Zeitlich dazu passt die Beschreibung der Schlossruine eines Zeitgenossen. Ludwig Gotthard Kosegarten, der 1785 Rektor der Wolgaster Knabenschule war, beschreibt seinen Spaziergang zum Schloss (enthalten in der neuen Chronik von Berthold Heberlein) „Die schönste Partie der Stadt sind die alten Schloßruinen. Dieses Schloß, das im vierzehnten Jahrhundert erbaut ward und im 16. und 17. Der Sitz manches frommen, biederen Herzogs war, ist zu Anfang dieses Jahrhunderts von den zerstörungsseligen Russen ohne Noth und Nutzen in den Grund geschossen worden. Heute Abend nach Sonnenuntergang ging ich hin. Es liegt auf einer Insel hart vor dem Wasserthor, Wall und Graben umgürten es, doch ist der Wall sehr niedergetreten und der Graben auch größtentheils trocken. Lange wanderte ich am Fuß des Burgwalls auf einem mächtigen, aus dem Wasser hervorragenden Schiffskielholze auf und ab und lauschte dem Brüllen der See, die, vom Nordostwind aufgewühlt, dumpf und fernher grollte. Die Sonne war gesunken, die Fluth klatschte an meinen Kiel, im tiefen Westen dämmerte noch ein krankes Roth, mählich stieg der Vollmond höher und beleuchtete die grausigen Trümmer. Jetz ging ich hin, sie zu sehen. Ueber einen mächtigen Brückenbogen gelangte ich durch ein noch übriges Thor in das Innere des Burgringes. Da that das Reich der Verwüstung sich vor mir auf, weit und gräßlich sinkende Mauer, taumelnde Pfeiler, berstende Bogen, gähnende Gruftgewölbe. Gemäuer umrankt von Wintergrün, Schutt und Graus überkleidet mit beerenreichem Hollunder... Mich schauerte leise. Nickende Schatten, däuchte mich, saßen auf den Schutthaufen. Die Gebilde alter Zeiten wandelten in den schwarzen Fliedergängen, Helden im Stahlschmuck, Mädchen mit fliegenden Locken. Hoch über das wüste Getrümmer hoben zwei gewaltige Thürme ihr Haupt empor, Mannen alter Herrlichkeit, Riesengerippe durch welche der Sturmwind heult. Ich trat näher. Reste einer Treppe lockten mich, in dem einen emporzusteigen. Sie führte in einen gewölbten Saal, offen aller Winden des Himmels. An seinen weißen Wänden las ich tausend Namen, hineingeritzelt und herausgegraben, im Mondschein. Ha, wie der Wind hier heulte, wie der der Wind wühlte in den schlagenden Fluthen. Die Treppe trug nicht höher. Abgebrochen, sturzdrohend sah ich noch ein paar morsche Stufen hoch über meinem Scheitel hängen. Ich stieg hinab und besah den anderen Thurm. Dieser war unersteiglich. Unter den ungeheuren Steinen aber öffnete ein weites Souterrain mir seinen schwarzen Mund. Ich tappte mich hinunter. Der Boden schwieg unter meinem Fersentritt, die Wände gaben meinen Ruf nicht wieder, jeder Laut erstarb im Augenblick des Werdens. Es war wie im Grabe.“

Ostsee-Anzeiger, 05.09.2012

 

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